Epidermophytie 12
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Die große Wimmelbildausgabe
2006, Farbcover, 24 Seiten
33 x 23,5 cm, vierfarbig mit Schutzumschlag
Die Zeichner:
Cover: Ken Kusano
- Marcus Schäfer
- Ken Kusano
- Rolf Nölte
- AHA
- Usi B. Fitzenreiter
- Fil
- Mawil
- Levin Kurio
- Jakob Mebes
- Alex Gellner
- Justine Göhrke
- Hannes T. Berneis
Zum Heft:
Ein Wimmelbild ist, wie der Name schon sagt in erster Linie wimmelig. In überformatigen Pappbüchern sollen Kinder auf Rummelplätzen und Badestränden einen verlorenen Hund, den Freund oder roten Schal suchen. Im Mosaik gab es in seinen besten Tagen (also als wir noch Kinder waren bzw. noch nicht geboren) ausführliche Doppelseiten, in denen die Digedags von befreundeten Indianerstämmen kommend in überbordenden Westernstädte einritten. Wer einmal begonnen hat sich in die Einzelheiten der unglücklichen Löschung des Louisiana Yuppie Karnevals durch die Feuerwehr zu vertiefen, kommt so schnell nicht mehr heraus aus dem Sonntagmorgenbett. Auch die nachfolgenden Abrafaxe wanderten durch beeindruckende doppelseitige Gebirgslandschaften und Pariser Markplätze, in denen immer irgendwo gerade einem Lehrling eine Vase runter fiel. (Manchmal überlege ich ernsthaft, ob das Mosaik es nicht wert waren, die ersten dreizehn Jahre meines Lebens im Osten verbracht zu haben, besonders wenn ich mir mitleidig die Veröffentlichungen wie Fix und Foxi, YPS und Knax Sparkassen Club anschaue, mit denen meine damaligen gleichaltrigen Klassenfeinde vorlieb nehmen mussten. Möglich, dass meine Eltern anderer Meinung sind.)
Fast kein Asterix Band kam in den besten Tagen (also als wir noch Kinder waren bzw. noch nicht geboren) ohne ein einführendes Panoramabild des gallischen Dorfes aus, in denen die Bewohner ihren vielfältigen Tätigkeiten (Angeln, Umherlaufen, Sachen tragen) nachgingen, Hühner sich gegenseitig belästigten oder sich die Dorfbevölkerung vor der Hütte des Häuptlings versammelte, um zu rätseln, welche Laus ihrem Chef diesmal über die Leber gelaufen ist. Auch der Berliner Comiczeichner Seyfried war immer dann am witzigsten, wenn er eine Lawine von Wortspielgewittern in bunten Doppelseiten unterbrachte. Seyfried schreibt ja jetzt richtige Literatur. In der Mosaikredaktion müssen weniger Zeichner mehr als doppelt so viele Seiten im Monat schaffen. Kinderbücher lesen wir nicht mehr und der letzte Asterix …
Also nehmen wir (verantwortungsbewusst wie wir sind) die herrenlose Fahne auf und verwahren sie gerne bis die Herrschaften wieder kräftig genug sind oder die nächste Generation nachgewachsen ist. So ist Epidermophytie 12 Kindheitserinnerung, Comicentertainment und Motivationsvorlage gleichzeitig. Unser Beitrag für eine Welt, die vor allem bunt und voll ist.
Noch nie war die Verwirklichung einer Ausgabe so schwierig. Zeichner ergriffen im letzten Augenblick vor dem leeren Blatt die Flucht oder wollten ein weiteres Jahr Zeit haben. Die weißen Seiten wurden freudig von herbeieilenden Neuankömmlingen gefüllt und so sind wir mit einem dreiviertel Jahr Verspätung (gefühlte drei) doch noch fertig geworden.

